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Mikroangiopathie (Small Vessel Disease)
1967 wurde erstmals auf das "Paradoxon von Patienten mit normalem Koronararteriogramm und klinisch
eindeutiger koronarer Herzkrankheit" hingewiesen (Likoff et al. 1967). Bald wurde das Interesse
von Patienten mit Angina pectoris (Brustenge) und normalem Befund bei der Untersuchung mittels
Herzkatheter auf Erkrankungen der kleinen Koronararterien gelenkt. Eine Angina pectoris, die
auf einer Verengung oder Verminderung der kleinen Koronararterien beruht, wird koronare
Mikroangiopathie oder Small Vessel Disease genannt. James (1970) und seine Mitarbeiter stellten an Herzmuskelproben von Patienten mit atypischer
Koronar-erkrankung unter dem Mikroskop Veränderungen der kleinen Blutgefäße fest. Der Begriff
"Small Vessel Disease" ist beschreibender Natur und sagt nicht mehr aus, als daß sich das
krankhafte Geschehen nicht an den großen, sondern an den kleinen Gefäßen abspielt. Für diese
krankhaften Veränderungen wurden verschiedene Ursachen ermittelt: Seltene Bindegewebserkrankungen,
(z.B.die progressive Sklerodermie), Entzündungen der Gefäße (z.B. die nekrotisierende Vaskulitis)
oder Veränderungen der kleinen Gefäße (z.B. bei Diabetes mellitus). Beim größten Teil der
Patienten können die Störungen des Blutflusses durch die kleinen Gefäße
(Mikrozirkulationsstörungen) bisher nicht einer bekannten Ursache zugeordnet werden.
Eine Fehlfunktion der die Blutgefäßwände auskleidenden Zellschicht (endotheliale Dysfunktion)
mit verminderter Bioverfügbarkeit von endogenem Stickstoffmonooxid (NO) und erhöhtem
Plasmaspiegel von Endothelin-1 (ET-1) können das abnorme Verhalten der kleinen
Herzkranzgefäße erklären (Zeiher et al., Kaski et al 1998). Tauchert et al. (1975)
konnten erstmals an sieben Patienten nachweisen, daß dieses Krankheitsbild mit einer
hochgradigen Einschränkung der Koronarreserve einhergeht. Unter Koronarreserve wird die
Steigerungs-fähigkeit der Durchblutung unter Belastung gegenüber der Durchblutung in
Ruhe verstanden. Eine Fehl-funktion des autonomen Nervensystems und eine gesteigerte
Schmerzwahrnehmung können Bestandteil des Geschehens sein (Gulli et al. 2001). Die herkömmlichen Untersuchungsverfahren zur Diagnose einer Koronarinsuffizienz bzw. einer
koronaren Herzkrankheit versagen bei der Diagnostik der koronaren Mikroangiopathie häufig.
Sowohl das EKG (Elektrokardiogramm), Untersuchungen der Blutchemie, Ultraschalluntersuchungen
des Herzens als auch die Myokardszintigraphie können normale Ergebnisse liefern. Die
Herzkatheteruntersuchung (Koronarangio-graphie) bringt nur in der Hand des Erfahrenen
verwertbare Hinweise auf das Vorliegen einer Small Vessel Disease. Letzte diagnostische
Sicherheit liefert im Zweifelsfall die aufwendige Koronarreservebestimmung mittels
Links- und Rechtsherzkatheter. Die Erkrankung kann jedoch außer dem Herzen auch andere Organe z.B. das Gehirn befallen.
Dann kann sich ein einem kleineren Schlaganfall ähnliches Bild (transitorisch - ischämische
Attacke, TIA) entwicklen. Soweit eine Grunderkrankung als Ursache der Störung angenommen werden kann, konzentrierte sich
die Be-handlung auf die Therapie des Grundleidens. In den übrigen Fällen erfolgt die
Behandlung symptomatisch mit Herzmedikamenten (Kalziumantagonisten, Beta-Blocker, Nitrate)
und Schmerzmitteln (trizyklische Antidepressiva mit schmerzhemmenden Eigenschaften)
(Kaski et al. 2001, Kaski 2004). Auch eine transkutane elektrische Nervenstimulation soll
eine Schmerzkontrolle ermöglichen (Kaski 2004). Bei Frauen wird eine Hormontherapie als
sinnvoll erwogen, da Östrogene das Endothelin-1 hemmen und die Blutgefäße des Herzens
erweitern. Ein weiterer wichtiger Therapiebaustein ist körperliches Training.
Es verbessert die Schmerzschwelle und die Funktion des Endothels der Blutgefäße.
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