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Allgemeines
Zur Auftrennung mittels Hämapherese wird
das Blut normalerweise einer Armvene entnommen, ungerinnbar gemacht und in einem Blutseparator
aufgetrennt. Werden Zellen mehr oder minder gezielt abgetrennt spricht man von Zytapherese, soll
die Blutflüssigkeit, das Plasma, abgetrennt werden, spricht man von Plasmapherese. Alle Verfahren
werden am Spender oder Patienten und mit kontinuierlichem oder diskontinuierlichem Blutfluß
durchgeführt. Der erste Trennschritt der Zell - Plasma- (oder Plasma - Zell-) Trennung wird
Primärtrennung genannt. Dabei haben sich Spezialzentrifugen gegenüber der Filtrationstechnik als
überlegen erwiesen. Werden die Blutzellen oder das Plasma nachfolgend weiter aufgetrennt spricht
man von Sekundär- oder auch Differentialtrennung.
Kreislaufzugang
Hämaphereseverfahren werden
normalerweise von einer Kubitalvene zur anderen oder als Einnadelverfahren durchgeführt. Ein
künstlicher Kreislaufzugang, insbesondere das Anlagen arterio - venöser Fisteln (Shunts) gilt
unter Apheresespezialisten als unethisch, es sei denn, spezielle Gründe z.B. extrem schlechte
Venenverhältnisse, fehlende Zugangsalternativen oder Notfälle gebieten ein solches Vorgehen.
Derartige Bedingungen sind jedoch extrem selten. Standardarbeitsbedingungen machen ein derartiges
Vorgehen überflüssig, da Blutzellseparatoren Blutfließraten von unter 50 ml/Min ohne technische
Probleme erlauben. Ein künstlicher Kreislaufzugang erleichtert die Arbeit für die
Krankenschwester und den Arzt, nicht aber für den Patienten! Er geht einher mit einem erhöhten
(vergleichsweise seltenem, aber immerhin potentiell tödlichem) Risiko für den Patienten, wie die
Erfahrungen aus der Dialyse, wo ein solches Vorgehen aus technischen Gründen unumgänglich ist,
lehrt. Diese Feststellung beruht auf einer 35 - jährigen Erfahrung an über 30 000 Apheresen
(Blutspenden wie Behandlungen), die teils an den Universitätskliniken Köln, teils im DHZ
gewonnen wurden. Zusätzlich wird diese Feststellung durch Daten aus Aphereseregistern gestützt.
Zytapheresen
Zytapheresen, d.h. die gezielte
Abtrennung und Entnahme von Blutzellen werden für Blutspenden und zur Behandlung durchgeführt.
Spenderzytapheresen
Spenderzytapheresen beinhalten
vornehmlich die Spende von Gerinnungsplättchen (Thrombozytapherese) meist für Krebspatienten,
aber auch von bestimmten weißen Blutzellen, den Granulozyten (Granulozytapherese) zur Behandlung
schwerster Infektionen ebenfalls bei bestimmten Krebspatienten, von Knochenmarksmutterzellen
(Stammzellapherese) oder auch der kombinierten Spende von verschiedenen Zellen oder von Zellen
mit Plasma (Multikomponentenspende). Andere weiße Blutzellen wie Stammzellen
(Knochenmarksmutterzellen), Lymphzellen (Lymphozyten) oder Monozyten werden ebenfalls für derzeit
in Entwicklung befindliche Krebstherapien aber auch für Anwendungen in anderen Bereichen der
Medizin gesammelt. Die Multikomponentenspende beinhaltet die gleichzeitige Spende
unterschiedlicher Blutkomponenten.
Therapeutische Zytapheresen
Rote Blutzellen (Erythrozyten) werden zur Behandlung von Erkrankungen mit einem
genetischen Eisenresorptionsdefekt (Hämochromatose) oder anderen Erkrankungen mit einer
Überproduktion von roten Blutzellen eingesetzt.
Weiße Blutzellen werden erfolgreich eliminiert für die Behandlung von
therapieresistenten oder ausbehandelten Patienten mit Crohnscher Erkrankung oder Colitis ulcerosa.
Die Behandlung ist einfach und effektiv, erfordert aber bis zum Wirkungseintritt einige Geduld.
Exzessiv erhöhte Weiße Blutzellen bei Patienten mit Leukämie können zu zellzahlabhängiger
Hyperviskosität führen. Der Zellüberschuß im Blut kann einfach und schnell beseitigt werden
(Zelldepletionstherapie) um diese Patienten einer anschließenden Chemotherapie zuzuführen.
Vermehrung von Thrombozyten. Gleiches gilt für eine exzession wenn diese Konzentration
1-1,5 Millionen/µl übersteigt.
Stammzellen werden von Patienten (oder ggf. auch Blutspendern) zur autologen
Stammzelltransfusion bzw. - transplantation bzw. für weitere in der Entwicklung befindliche
Indikationen gewonnen.
Zelltherapien können mit Hilfe gesammelter und nachfolgend manipulierter Lymphozyten
und Monozyten durchgeführt werden.
Bei der Photopherese werden weiße Blutzellen gesammelt und nachfolgend mit
ultraviolettem Licht bestrahlt. Die Behandlung ist für das kutane T-Zellymphom erstattungsfähig,
andere T-zellvermittelte Erkrankungen befinden sich in der Erprobung.
Plasmapherese
In Analogie zur Zytapherese werden
Plasmapheresen zur Plasmaspende und zur Plasmatherapie eingesetzt. Der Terminus Plasmapherese
ist historisch gesehen für die Plasmapende besetzt, so daß man von Plasmaseparation oder
therapeutischer Plasmapherese spricht, wenn die extrakorporale Plasmatherapie gemeint ist.
Der falsche Sprachgebrauch weist auf Ignoranz im Umgang mit Hämaphereseverfahren hin und kann
zur Verwirrung und Missverständnissen führen.
Plasmaaustausch und Plasma-
(Vollblut) Differentialtrennung
Zur Plasmaaustauschbehandlung werden die
Blutzellen des Patienten im angeschlossenen Trenngerät separiert und dem Patienten sofort wieder
zugeführt während gleichzeitig die Blutflüssigkeit (Plasma) gegen eine Ersatzflüssigkeit
ausgetauscht wird. Zwar gilt der Plasmaaustausch heute als technisch überholt, hat aber für die
Bhandlung einiger Erkrankungen oder spezielle Indikationen durchaus noch seine Berechtigung.
Statt des unspezifischen Plasmaaustausches werden heute eher selektive Verfahren benutzt. Dabei
wird überwiegend mit patienteneigenem Plasma (Plasmadifferentialtrennung), seltener auch mit
Vollblut gearbeitet. Die weitere Auftrennung des Plasmas (Sekundärtrennung) kann mittels
Fällungsmethoden, Adsorptionsverfahren oder der Filtration erfolgen.
LDL-Apherese, andere
LDL-Eliminationsverfahren und Immunapherese (Ig-Apherese)
Die LDL-Apherese ist ein
Blutreinigungsverfahren, das speziell Apo-Protein-B-gebundenes LDL-Cholesterin eliminiert.
Es ist das erste Blutwaschverfahren, das die Technik der Immunapherese benutzt. Sie wurde
1981 an der Universität Köln in die klinischen Routine eingeführt und seither weltweit
verbreitet. Der Name wurde dieser Technologie von Prof. Arens, Rockefeller Universität New York,
während eines Besuches in Köln im Jahre 1982 gegeben und ist seither für diese Trenntechnik
reserviert. Sie ist bis heute wegen ihrer Spezifität, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit nicht
übertroffen und stellt deshalb unverändert das Verfahren der ersten Wahl dar. Der Begriff wird
häufig von anderen Technologien, mit denen ebenfalls LDL-Cholesterin entfernt werden kann,
mißbraucht - um so häufiger, je schlechter die Technologie ist. Bei der LDL-Apherese werden
zwei Adsorber-Säulen, die alternativ während jeder Behandlung beladen und resorbiert werden,
von Blutplasma durchströmt und mindestens 50 mal, heute bereits mehr als 100 mal,
wiederverwendet. Insbesondere ist hervorzuheben, daß im Vergleich zu anderen technischen
Verfahren der 2. Wahl die LDL-Apherese eine besonders wirtschaftliche Methode der LDL-Entfernung
aus dem Blut ist.
Andere Technologien, die bis zu einem gewissen Grade auch LDL eliminieren, benutzen die
Präzipitation, die semiselektive Filtration und die selektive (jedoch nicht spezifische)
Adsorption. Im Allgemeinen werden dazu Einwegsäulen oder Filter verwendet, deren technische
Wirksamkeit begrenzt ist: Entweder ist die Adsorptionskapazität der Adsorber (insbesondere
der Vollblutadsorber) durch die begrenzte Bindungskapazität des Adsorbers oder durch die
Entfernung anderer Bluteiweiße (z.B. des Fibrinogens bei der sog. Kaskadenfiltration) limitiert.
Wegen der medizinischen und technischen Wirksamkeitsbe-grenzung handelt es sich demnach um
Reserveverfahren. Jedoch können diese "selektiven" Verfahren, insbesondere wenn zusätzlich
normale, für die Atherogenese weniger oder nicht bedeutende Plasmabestandteile entfernt werden,
durchaus vorteilhaft für die Behandlung anderer Krankheiten sein.
Auf der Basis des LDL-Apherese-Modells wurde später die Immunglobulin-(Ig-)Apherese entwickelt
und ebenfalls zuerst an der Universität Köln angewandt. Ein vergleichbarer Säulentyp wurde später
auch an anderer Stelle entwickelt und vertrieben. Diese Ig-Apherese-Adsorber werden für die
Entfernung anderer unerwünschter Plasmakomponenten, wie Rheumafaktoren und Antikörpern oder
Autoantikörpern (Immunglobulinen) benutzt. Verwandte Technologien benutzen andere
Bindungsvermittler (Liganden), z.B. Protein A, Peptide, die ebenfalls in der Lage sind,
Immunglobuline oder Immunkomplexe zu binden, von denen angenommen wird, daß sie vornehmlich bei
rheumatischen Erkrankungen von Bedeutung sind. Einige dieser Adsorber scheinen allerdings mehr
dadurch wirksam zu sein, daß sie Spuren der Liganden freisetzen, statt daß sie
Plasmabestandteile der Patienten binden und damit entfernen.
Rheotherapie und Rheohämapherese®
Die Rheohämapherese ist eine
extrakorporale Rheotherapie, die durch die Entfernung einiger hochmolukularer Plasmabestandteile
(und wenn erforderlich auch eines Überschusses an roten Blutzellen) charakterisiert ist, um auf
diese Weise die Organdurchblutung zu verbessern. Die Technik wurde erstmals als sog.
Doppelfiltration in Japan benutzt und nachfolgend an der Universität Köln in die breite
klinische Anwendung gebracht. Die inzwischen technisch überholte und zu teure Doppelfiltration
(Kaskadenfiltration) wurde im Deutschen Häma-pherese Zentrum zur Rheohämapherese weiterentwickelt.
Die ersten, nachweislich sicheren Indikationen für die extrakorporalen Rheotherapien stellen
internistische Erkrankungen dar (sog. Hyperviskositätssyndrome). Später wurden die gewonnenen
Erfahrungen auf andere Erkrankungen, z.B. die altersabhängige Makuladegeneration, übertragen.
Inzwischen konnte eine Reihe weiterer Indikationen im Deutschen Hämapherese Zentrum entwickelt
und eingeführt werden. Damit stellt die Rheohämapherese als systemische Therapie mindestens eine
Verbesserung, wenn nicht ein neues Prinzip der extrakorporalen Therapie im Vergleich zur
herkömmlichen Hämorheotherapie dar.
Immunadsorption
Adsorbertechnik mittels Antigen - Antikörperreaktion (z.B. LDL-Apherese) oder zur Elimination
von immunologisch relevanten Plasmafaktoren z.B. Immunglobulinen oder zirkulierenden
Immunkomplexen.
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